Buchbesprechung von Gerhard Hanloser: David Graeber: Bürokratie

Anarchisten, das sind doch die Helfershelfer der Neoliberalen mit ihrem Ruf nach schrankenloser Freiheit, Eigenverantwortung und ihrer Staatskritik, die nur im Abbau staatlicher Leistungen münden kann. So weiß jeder Stalinist zu erzählen. Und so weiß es auch der ein oder andere Linksliberale, dem die anarchistische „Künstlerkritik“ am Gehäuse der Hörigkeit, an kafkaesken Entfremdungen zu wider ist und der lieber das Soziale gerechter verwalten will. Sie alle, und nicht nur sie, sollten das Buch von dem Occupy-Wall-Street-Aktivisten und Bestsellerautoren David Greaber lesen, denn er zeigt auf, dass dies lediglich Vorurteile sind. Mit den „libertären Rechten“, die ohnehin kaum das anarchistische Erbe für sich reklamieren können, will Graeber nichts zu tun haben. Weiterlesen

Vortrag in Frankfurt: Karl Marx – Philosoph der Befreiung oder Theoretiker des Kapitals?

Klasse – Macht – Kampf im April mit einem Vortrag von Karl Reitter mit dem Titel: „Karl Marx – Philosoph der Befreiung oder Theoretiker des Kapitals?

Dienstag, 12. April 2016, 19:30 Uhr im Klapperfeld, Klapperfeldstraße 5
60313 Frankfurt

Der Titel des Vortrags bezieht sich auf den von Karl Reitter herausgegebenen Sammelband, in dem in elf Beiträgen die Neue Marx-Lektüre einer umfassenden Kritik unterzogen wird. Es soll nicht nur gezeigt werden, dass ihre “monetäre Werttheorie” sachlich und philologisch unhaltbar ist, sondern auch was mit dem Vorwurf des Naturalismus an die Adresse von Marx eigentlich gemeint ist. Durch die Weigerung, zwischen den historisch übergreifenden Bestimmungen der Arbeit und ihren je spezifischen gesellschaftlichen Formen zu unterscheiden, wird Marx um sein ureigenstes Anliegen gebracht: in der Gesellschaft, wie sie ist, nach den materiellen Bedingungen einer neuen, klassenlosen Gesellschaft zu suchen. Statt dessen nimmt die Neue Marx-Lektüre eine mehrfache Reduktion der Marxschen Sichtweise vor, die letztlich in einer weitgehenden Abwertung von Erfahrungen terminiert. Fixiert auf einen ominösen idealen Durchschnitt geraten die sozialtechnischen Angriffe des Kapitals, konkret die Transformation des Fordismus zum Neoliberalismus, aus dem Blick. An die Stelle der sozialen Herrschaft soll ein automatisches Subjekt Kapital treten. Herrschaft, Klassenkampf und nicht zuletzt die Momente der Befreiung werden so von der Neuen Marx-Lektüre methodisch ausgeschlossen. Das Buch „Karl Marx – Philosoph der Befreiung oder Theoretiker des Kapitals?“ ist 2015 im Mandelbaum Verlag erschienen.
http://www.mandelbaum.at/books/806/7553

Diskussionsveranstaltung: Gesellschaftskritik aktuell – Welche Theorie und welche Begriffe für welchen Kampf?

Mit Detlef Hartmann, Karl Reitter und Gerhard Hanloser

Ort: Berlin, Buchladen Schwarze Risse, Gneisenaustr. 2a (U Mehringdamm)

Zeit: Donnerstag, 11. Februar 2016 20:00 Uhr

Detlef Hartmann und Karl Reitter sind radikale Gesellschaftskritiker, die sich auf einen dynamischen Begriff des Kapitals beziehen und für die die Kämpfe der Klasse gegen die Zumutungen des Kapitals im Zentrum ihrer Betrachtungen stehen. Karl Reitter legte zuletzt seine Perspektive in dem Sammelband „Karl Marx. Philosoph der Befreiung oder Theoretiker des Kapitals?“ dar, Detlef Hartmann in der Auseinandersetzung mit der Finanzkrise 2008 in seinem Buch „Krisen – Kämpfe – Kriege.“ Beide der Neuen Linken entstammende Autoren veröffentlichten zuletzt Aufsätze in dem Sammelband „Deutschland.Kritik“, in dem sie auf ihre Art darauf hinwiesen, dass eine kritische Theorie der Gesellschaft den nationalstaatlichen Rahmen sprengen muss und auf Kämpfe wie die globale Dynamik des Kapitalismus zu reflektieren hat. Welche Bedeutung haben dabei beispielsweise marxistische Begriff wie „Proletariat“ und „Produktivkräfte“? Sie wollen über ihre Zugänge zu diesen Fragen referieren und diskutieren im Gespräch mit dem Herausgeber von „Deutschland.Kritik“, Gerhard Hanloser.

Einladung zur Veranstaltung: Weinnacht & Kaufrausch & Dickmann

Wann? 21. Dezember 2015 19:00 Uhr
WO? Amerlinghaus, Raum 4, Stiftgasse 8, 1070 Wien

Die gruppe grundrisse und die edition kritik & utopie im mandelbaum verlag laden recht herzlich zum weinnachts-kaufrausch ins amerlinghaus!

Ab 19 uhr gibt es die möglichkeit, bücher aus dem grundrisse-fundus zu äußerst moderaten preisen, altbestände der zeitschrift grundrisse sowie neubestände des mandelbaum verlages zu erwerben. Für wein und andere getränke sowie snacks ist gesorgt.

Um 20 uhr wird peter haumer sein soeben erschienenes buch „julius dickmann. ‚…daß die masse sich selbst begreifen lernt‘ – politische biografie und ausgewählte schriften“ kurz vorstellen. Also: packt eure geldbörse ein und tut euch und uns etwas gutes!

https://www.facebook.com/events/991776140888832/

Assamblea

Aus keinem besonderen Anlass (das Ereignis selbst ist Anlass genug) laden Walter und Fuzi ist auch dabei, zu einer „general“ Assamblea, einem großen oder kleinen Palaver, einer gemeinsamen, diskursive Zusammenkunft rund um und über alle Themen und Belange, die am Herzen liegen, bzw. unter den Nägeln brennen. Es soll ein Diskursraum geöffnet werden, in dem (fast) alles besprochen werden kann. Eine solche Verständigung empfinden wir als dringend nötig , weil es, im Bezug auf soziale, emanzipative Bewegungen von unten, bei den autonomen kollektiven Subjekten, bislang nicht zu viel, sondern zu wenig an Kommunikation und Austausch gab. Austausch über alles Mögliche, über Strategien der Veränderung des Bestehenden, das augenscheinlich immer unfähiger ist auch nur die lebensnotwendigsten Bedürfnissen der Klassen, Geschlechter, der Natur etc. zu befriedigen, über die Einschätzungen der aktuellen kapitalistischen Entwicklungen, über diverse utopische Entwürfe, aber auch über unsere persönlichen Befindlichkeiten. Durch Kommunikation sollen Zusammenhänge zwischen unseren persönlichen Geschichten und den gesellschaftlichen Gegebenheiten hergestellt und bzw. überhaupt erst in den Blick genommen werden.

Solcherart laden wir Euch herzlich für den 13.11.2015 um 19 Uhr ins Amerlinghaus, in die Galerie ein. Für Getränke und Snacks werden wir sorgen.

Veranstaltung: Karl Marx – Philosoph der Befreiung oder Theoretiker des Kapitals?

Buchvorstellung und Podiumsgespräch mit Karl Reitter am 6. November 2015 in Hamburg. Die Veranstaltung wird von der Assoziation Dämmerung organisiert.

Wer sich heute an Arbeitskämpfen, Boykott-Kampagnen oder Großprotesten gegen die Treffen der wirtschaftlichen und politischen Eliten beteiligt – jüngst etwa den Anti-G7-Kampagnen oder den Protesten gegen die Münchner Sicherheitskonferenz –, bekommt immer häufiger zu hören: Das alles sei »verkürzte«, »personalisierte« oder sogar »regressive« Kapitalismuskritik und daher falsch. Schließlich hätten wir es im Kapitalismus mit einer »abstrakten« und »unpersönlichen« Herrschaft des Werts zu tun, der die Kapitalisten und die Arbeiter gleichermaßen unterworfen seien. Das hätte Karl Marx in seiner Kritik der politischen Ökonomie gezeigt – von Restbeständen des »traditionellen« Marxismus dürfe man sich nicht täuschen lassen. Längst gilt die Marxsche Kritik nicht mehr überall als revolutionäres und klassenkämpferisches Projekt. Unter dem Namen »Neue Marx Lektüre« dominiert heute in den akademischen Marx-Seminaren und Lesezirkeln eine ganz andere Art, Marx zu verstehen. Begriffe wie »Revolution« und »Klassenkampf« werden als verstaubte Überbleibsel eines längst überholten »Arbeiterbewegungsmarxismus« gehandelt, der für Emanzipation nicht viel zu bieten habe. Marx’ Kritik bürgerlicher Herrschaft und Ausbeutung wird auf eine Kritik von Denkformen und Ideologien reduziert, die sich sogar gegen antikapitalistische Proteste richten lässt. Die Konsequenz: Marx steht nicht mehr für die Revolution, sondern für ihre Verhinderung.

Gegen diese ebenso absurde wie fatale Entwicklung wendet sich der Sammelband »Karl Marx – Philosoph der Befreiung oder Theoretiker des Kapitals?«, den Karl Reitter herausgegeben hat. Mit ihm wollen wir aufklären, was die um den Klassenkampf bereinigte und damit konservativ gewordene Marx-Lektüre so beliebt und erfolgreich macht. Und wir wollen wissen: Welchen Weg weist uns Marx tatsächlich als »Philosoph der Befreiung«?

Karl Reitter ist Sozialwissenschaftler und Autor. Er war Redakteur der Zeitschrift grundrisse und ist Lektor für Philosophie in Wien und Klagenfurt. Das Buch »Karl Marx – Philosoph der Befreiung oder Theoretiker des Kapitals?« ist Anfang des Jahres im mandelbaum verlag erschienen.

Freitag, 6. November 2015
Magda-Thürey-Zentrum (MTZ)
Lindenallee 72, Hamburg-Eimsbüttel
Beginn: 19 Uhr