Zur Lage in der Türkei: Wahlen und das Massaker von Ankara Referent: Max Zirngast (Ankara, Wien)

Zeit: Montag, 9. November, 19 Uhr
Ort: Amerlinghaus, Raum 4

Seit der AKP unter Führung von Erdoğan zunehmend ihr schwindender Zugriff auf die politische Macht in der Türkei bewusst geworden ist, eskalierte der türkische Staat die Angriffe und Repressionen gegen linke und demokratische Kräfte. Besonders die kurdische Bewegung wurde zum Ziel Erdoğans. Bereits vor der Wahl am 7.Juni gab es Bomben und Anschläge, aber nach der empfindlichen Niederlage der AKP und dem Einzug der HDP ins Parlament, wurde die Situation seitens des Staates vollends eskaliert. Das Massaker in Suruç am 20.Juli, ein gezielter Anschlag auf linke AktivistInnen in Solidarität mit der kurdischen Befreiungsbewegung, diente als Vorwand für die offene Eskalation und die Wiederaufnahme des Krieges in Kurdistan.

Das Massaker in Ankara am 10.Oktober stelle eine neue Stufe der Eskalation dar. Auch wenn wir die genauen Hintergründe nicht kennen und auch nicht erfahren werden, solange die AKP Clique and der Macht ist, lässt sich klar sagen, dass wir es bei diesem Massaker „bestenfalls“ mit einer groben Fahrlässigkeit der Geheimdienste zu tun haben, eine aktive der Teilnahme zumindest gewisser Teile des „tiefen Staates“ ist keinesfalls unmöglich. Das Verhalten der Polizei am Tatort und die Reaktionen der AKP Führungsspitze setzen dem Ganzen die Krone auf. Die AKP versucht in diesem Klima der Gewalt an ihrer Macht festzuhalten und scheut dabei auch die ganz offene Zusammenarbeit mit Kriminellen nicht mehr.

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen wird Max Zirngast, Augenzeuge des Massakers von Ankara, eine Einschätzung der gesellschaftlichen Kräfte und Dynamiken in der Türkei geben.

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Vortrag und Diskussion: Guy Standing – The Precariat: Towards a New Progressive Politics

Guy Standing hält diesen Vortrag in Linz und in Wien. Hier die Daten für beide Städte:

Linz: Donnerstag 29. Oktober 2015; 19 bis 21 Uhr, Linz, Wissensturm; Veranstaltungssaal E.09, Kärntnerstraße 26, 4020  Linz

Wien: Freitag, 30. Oktober 2015; 18:30 bis 20 Uhr, Neues Institutsgebäude (NIG), Universitätsstraße 7, HS II, 1010 Wien

Ankündigungstext:
Wir leben inmitten einer globalen Veränderung, der schmerzhaften Konstruktion eines globalen Marktes, die durch neoliberale Ökonomie und ihre Ideologie bestimmt wird. Das Resultat ist der komplette Zusammenbruch des Einkommensystems des 20. Jahrhunderts. Viele Arten der Ungleichheit haben zugenommen und historisch neue globale Klassenverhältnisse sind entstanden. Ein Teil ist das Prekariat, eine im Entstehen begriffene Klasse, die aus Millionen von Menschen besteht, die an chronischer Unsicherheit leiden. Durch seine besondere Stellung zur Produktion, zum Einkommenssystem und zum Staat mangelt es dem Prekariat an zivilen, kulturellen, sozialen, politischen und ökonomischen Rechten. Mit Bezug auf seine letzten Publikationen (The Precariat – The New Dangerous Class; A Precariat Charter: From Denizens to Citizens) wird der Vortrag die Gefahren, insbesondere die Möglichkeit eines neofaschistischen Populismus thematisieren, aber ebenso die Perpektive einer neuen progressiven Politik aufzeigen. Ein wesentlicher Aspekt der Erneuerung der Aufklärung für das 21. Jahrhundert muss das Recht auf ein bedingungsloses Grundeinkommen sein.

Guy Standing ist Professor am SOAS – Development Studies, der University von London und war Professor für Economic Security an der University of Bath, Professor für Labour Economics an der Monash University, Melbourne, sowie Director der ILO Socio-Economic Security Programme (1999-2006) und Director der ILO Labour Market Policies Branch.

Während der letzten vier Jahre hat Guy Standing an einem Grundeinkommensprojekt in Indien in Zusammenarbeit SEWA, einer Gewerkschaft für informell beschäftigte Frauen, mitgearbeitet. Über dieses Projekt informiert das Buch: S.Davala, R.Jhabvala, S.Mehta and G.Standing, Basic Income: A Transformative Policy for India (New Delhi and London, Bloomsbury, 2015).

Seine letzten Publikationen: A Precariat Charter: From Denizens to Citizens (Bloomsbury, 2014), The Precariat: The New Dangerous Class (Bloomsbury, 2011; second edition, 2014), Social Income and Insecurity in Gujarat (Routledge, 2010), Work after Globalization: Building Occupational Citizenship (Elgar, 2009). Sein Buch Precariat: The New Dangerous Class wurde in 14 Sprachen übersetzt, dieses Jahr ist es auf Deutsch beim Unrast Verlag unter dem Titel Prekariat Die Neue Explosive Klasse erscheinen.

 

Lesekreis Kapital Band III – Organisation und Impulsreferat: Karl Reitter

Lesekreise zum Marxschen Hauptwerk gab und gibt es viele, aber zumeist kommen die TeilnehmerInnen kaum über den ersten Band hinaus. Das ist schade, da insbesondere im III. Band Marx komplexe Phänomene der kapitalistischen Produktionsweise auf ihre gesellschaftspolitischen Konsequenzen hin untersucht. Auch die Frage, was denn nun die sprengenden, emanzipatorischen Momente sein könnten, die im Kapitalverhältnis in verhüllter Form entstehen, gibt uns dieser Band einige Auskunft. Augenmerk soll auch auf die Frage gelenkt werden, was wir den eigentlich wissen, wenn wir die Ausführungen von Marx gut kennen. Was bringt uns die Lektüre des Kapital, und was nicht?

Dieser Lesekreis will also unübliche Wege beschreiten und sich sogleich Textpassagen des III. Bandes vornehmen. Allerdings sollen zu Beginn die wesentlichsten Ergebnisse der ersten zwei Bände zumindest im Überblick dargestellt werden. Mit diesem (aufgefrischten) Wissen geht es dann an die Lektüre ausgewählter Passagen. Selbstverständlich wird auf die Bedürfnisse der TeilnehmerInnen eingegangen.

Geplant sind zwei Treffen im Monat, vorzugsweise am Mittwoch. Die Vorbesprechung findet am 21. Oktober 2015 ab 18 Uhr statt. Ort: Librería Utopía ★ radical bookstore vienna. Preysinggasse 26-28/1, A-1150 Wien (U3 Schweglerstraße, Ausgang Stättermayergasse) (Dank an Pablo und Steffi)

Bei Fragen einfach mich kontaktieren: k.reitter@gmx.net
Und hier findet ihr den III. Band komplett im Internet: http://www.mlwerke.de/me/me25/index.htm aber auch unter:
http://www.dearchiv.de/php/brett.php?archiv=mew&brett=MEW025&menu=mewinh

Präsentation und Diskussion: Schwerpunkt „Grundeinkommen“ in der aktuellen Ausgabe Volksstimme

Am Dienstag, den 15. September ab 19 Uhr werden im Cafe Siebenstern (1070 Wien, Siebensterngasse 31) die Beiträge zum Schwerpunkt Grundeinkommen der aktuellen Ausgabe der Volksstimme zur Diskussion gestellt. Dieser setzt sich aus folgenden Beiträgen zusammen:

– Fragen und Antworten zum bedingungslosen garantierten Grundeinkommen (BGE) ~ Eine Einführung von Karl Reitter

– Provokanter geht es nicht: Geld für nix! ~ Grundeinkommen aus feministischer Perspektive von Margit Appel

– Das BGE, die unbezahlte Arbeit und der Feminismus ~ Essay von Käthe Knittler

– „Erst Grundeinkommen dann Gysi“ ~ Yoyo Tischler und Melina Klaus waren auf dem Parteitag der LINKEN

– Lohnarbeit als alleinige Quelle allen Reichtums? Oder: warum das Grundeinkommen keinesfalls einen ‚unproduktiven’ Sektor alimentieren würde ~ Essay von Karl Reitter

Wir freuen uns auf euer Kommen und auf rege Diskussion!
Präsentation: Melina Klaus und Karl Reitter